Personalwirtschaft

In Personalwirtschaft geht es unabhängig vom jeweiligen Berufsfeld darum, die Schüler mit den Aufgaben und Zielen der Personalabteilung eines Unternehmens auseinandersetzen zu lassen. Nach den Grundsätzen eines handlungsorientierten, realitätsnahen und schüleraktiven Unterrichts wurde das folgende Unterrichtskonzept entwickelt:

 
1. Entwicklung eines Modellunternehmens

Zu Beginn des Jahres wird ein Modellunternehmen eingeführt, das die Schüler selbständig entwickeln sollen. Ziel ist es hierbei, den Identifikationsgrad durch das selbst entworfene Modellunternehmen zu erhöhen, um so das Interesse und die Motivation der Schüler zu steigern. So legen die Schüler bei der Entwicklung des Modellunternehmens nicht nur die Branche, den Produktbereich und den Unternehmenssitz etc. fest, sondern diskutieren auch darüber, welche Abteilungen das Unternehmen in Abhängigkeit der gewählten Mitarbeiterzahl benötigt und stellen erste Überlegungen zur Personalplanung an, d.h. wie viele Mitarbeiter werden mit welchem Profil (Erfahrung, Alter der Mitarbeiter?) bzw. in welcher Zusammensetzung (wie viele Abteilungsleiter, Sacharbeiter, Azubis?) in welcher Abteilung in welcher Hierarchiestruktur benötigt?

 

2. Die Schüler sind die Personalabteilung

Grundsätzlich bearbeiten die Schüler sämtliche Problemstellungen von nun an in der Rolle der Personalabteilung des Modellunternehmens. Das bedeutet, dass sie in Abhängigkeit des Problems vor ihren Entscheidungen auf die Position der Geschäftsführung, des Betriebsrats und auch der betroffenen Arbeitnehmer eingehen müssen. Diese Fremdperspektiven werden von der Lehrkraft vorgegeben. Lernprozess begleitend werden Übersichten über die Aufgaben und die Ziele der Personalabteilung geführt, die die Schüler im Laufe der sich ergebenden Problembehandlungen fortlaufend inhaltlich ergänzen. Dadurch werden sich die Schüler zunehmend der Position der Personalabteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern bewusst.

 

3. Die Entscheidungen der Personaler bestimmen über den weiteren Unterrichtsverlauf

Durch die von den Personalern getroffenen Entscheidungen werden die Weichen für den weiteren Unterrichtsverlauf gestellt. So legen sie z.B. bei der Personalbeschaffung eigenständig die einzelnen Schritte fest, die von der Anzeigenschaltung bis zur Einstellung eines Bewerbers von der Personalabteilung vollzogen werden müssen. So bestimmten die Schüler beispielsweise, dass sie die Besetzung der offenen Stelle in der Abteilung Verkauf in den folgenden Prozessschritten abwickeln:

Stellenanzeige schaltenEingehende Bewerbungen nach bestimmten Kriterien vorselektierenGeeignete Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladenBewerbungsgesprächAuswahlBewerber über Zusage bzw. Absagen informierenProbetag des BewerbersVertragsabschluss

Dieser von den Schülern festgesetzte Prozessleitfaden bestimmt das Unterrichtsgeschehen der nächsten Wochen.  

 

4. Überprüfung der getroffenen Entscheidungen durch Konfrontation mit der Praxis

Die Personalabteilung wird ständig damit konfrontiert, wie dritte beteiligte Parteien (wie etwa Geschäftsleitung, Betriebsrat, betroffene Arbeitnehmer, etc.) auf die Entscheidungen der Personalabteilung reagieren. Dadurch werden sie zur Überprüfung und kritischen Reflexion ihrer Maßnahmen gezwungen, die sie daraufhin oftmals korrigieren. Die entsprechenden Impulse werden von der Lehrkraft gesteuert. So hat beispielsweise im Fall der Personalbeschaffung ...

1. Impuls

...der Betriebsrat des Modellunternehmens Einspruch dagegen eingelegt, dass er über den potenziellen neuen  Arbeitnehmer nicht rechtzeitig informiert wurde.

2. Impuls 

... der Bewerber, der von der Personalabteilung die Zusage erhalten hat, doch plötzlich abgesagt. Da die Personalabteilung allen anderen Bewerbern zu diesem Zeitpunkt gem. Prozessplan ebenfalls schon abgesagt hatte, musste eine neue Bewerbungsrunde gestartet werden, die Kosten und Zeit verursacht. Somit lernen die Schüler, dass Bewerbern erst abgesagt werden sollte, wenn der Vertrag mit dem Favoriten unter Dach und Fach ist.

 

5. Externe Gäste sorgen für Nähe zur Realität und Praxis

Als weiteren Baustein des praxisnah gehaltenen Unterrichts werden – sofern es sich anbietet – externe Gäste (Kollegen) eingeladen, die z.B. die Rolle der Bewerber (z.B. beim Vorstellungsgespräch, Arbeitsvertragregelung) übernehmen. Die Schüler bereiten sich im Vorfeld auf das Bewerbungsgespräch mit dem Bewerber vor und führen dieses dann vor der restlichen Klasse mit dem Bewerber. Durch diese Maßnahme wird ein fachgerechtes und sozialkompetentes Verhalten der Schüler in der Rolle der Personaler gefördert.

Kontakt

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